Celeborn fan fiction

Anziehungskraft

by Marnie

Sie werden sagen, dies hier sei Fanfiction; dass ich es mir ausgedacht hätte. Oder vielleicht, wenn ich darauf bestehe, anderes zu behaupten, werden sie mich für verrückt erklären und meine lästigen Erinnerungen mit Drogen korrigieren.

Ich sitze hier in meinem Garten an einem Tisch, auf Stühlen aus grünem Plastik. Die Sonne scheint warm, obwohl meine bloßen Füße kalt sind auf dem Boden der Terrasse. Der Rasen muss gemäht werden. Unkraut erzwingt sich seinen Weg durch die Steinplatten. Lastwagen donnern die Straße hinter dem Haus entlang. Und nichts davon erscheint mir wirklich.

Er hat mich gewarnt. Ich kann ihm nicht die Schuld geben, obwohl ich annehme, dass ich es gefühlsmäßig - so irrational wie es ist - dennoch tue. Aber es war wirklich nicht sein Fehler, dass ich es ablehnte auf ihn zu hören und nun muss ich entweder still sein oder ‚geheilt' werden.

Das ist keine Art und Weise, einen Bericht zu beginnen! Natürlich werdet ihr es Fiktion nennen, wenn ich euch keine Fakten liefere, und ich bin besser ausgebildet, als dass mir ein solcher Fehler unterlaufen sollte. Vergesst, was ich gerade geschrieben habe und ich werde noch mal von vorn anfangen.

Mein Name ist Jasmine Jane Baxter und ich bin Forscherin auf dem Gebiet des Paranormalen für die Zeitschrift ‚Fortean Times'. Ich sehe schon, das hilft meinem Fall nicht. Nur wenige Leute sind sich des wirklichen, wissenschaftlichen Skeptizismus bewusst, der jeden Monat in unserem Streifzug durch die Gebiete des Bizarren enthalten ist. Aber ich schweife ab.

Es begann am Samstag, den 11. Mai 2001 in der John Rylands Bibliothek in Manchester (England). Eine Frage über zufällige Zentren - kleinere oder weniger bekannte Versionen des ‚Bermuda-Dreiecks' -, die von einem unserer Leser eingeschickt wurde, hatte mich dazu veranlasst, Gegenden zu erforschen, von denen bekannt war, dass dort elektromagnetische Merkwürdigkeiten - in Ermangelung eines besseren Begriffs - auftraten. Tagelang blätterte ich durch Berichte von verängstigten Piloten, die ausführlich von ausgefallenen Kontrollsystemen erzählten, unerklärlichen Nebeln, der plötzlichen Veränderung der Position des Flugzeugs zu einer anderen in hunderten von Meilen Entfernung; den Verlust von Stunden, die der Erfahrung nach nur Minuten waren.

Es gab einfach zu viele dieser Beweise, um all das Zufall sein zu lassen. Die Anhänger der Hypothese von außerirdischem Leben zitieren dies als Beweis dafür, dass Außerirdische unter uns sind und dass ihre erstaunliche Technologie unsere banalen Werke auf irgendeinem hohen intellektuellen Niveau behindert. Aber der wahre Fortean-Geist ist eine Mischung aus Aufgeschlossenheit und der Fähigkeit, alles anzuzweifeln. Ich war niemals eine Glaubende.

Stattdessen trug ich die ‚Dreiecke' auf der detailliertesten Karte, die ich von den Magnetfeldern der Erde finden konnte, ein und fand - mit einiger Aufregung - heraus, dass sie (meistens) mit solchen Orten übereinstimmten, wo die Kraftlinien einen kleinen Knick hatten.

Das ist ziemlich einfach, dachte ich und das war der Punkt, an dem die meisten Wissenschaftler aufhören würden, zufrieden, dass sie eine natürliche Erklärung gefunden hatten. Aber ich war genauer als das. Ich wollte wissen, was ein magnetisches Feld von der Größe jener auf der Erde dazu bringen konnte, zu verrücken und sich auf diese merkwürdige Weise zu wellen. Ich hinterließ eine Anfrage bei Michael Hambly, Physik-Professor am Institut für Wissenschaft und Technologie der Universität Manchester. Dann kam die Frage des Lesers: ‚Hatten Kraftlinien damit zu tun?'

Natürlich gibt es Leute, die einem erzählen werden, dass Kraftlinien die Quelle jedes unerklärlichen Phänomens der Welt sind. Wenn es keine Außerirdischen sind, kannst du wetten, dass es entweder Überlebende aus Atlantis, Auferstiegene Meister oder Kraftlinien sind. Doch es liegt mir fern, nicht jede Hypothese zu hinterfragen, wie merkwürdig auch immer sie sein mag. Und so ertappte mich der bedeckte Morgen des 11. Mai dabei, wie ich meinen Schirm umklammerte und mir meinen Weg durch die Princess-Street im frühen Berufsverkehr bahnte, um in die John Ryland's Bibliothek zu gelangen, bevor sie sich mit Studenten füllte.

Die Bibliothek ist ein prächtiges, aus roten Ziegelsteinen erbautes Gebäude aus der Zeit der Kunsthandwerksbewegung und mit einer erdichteten Geschichte in der Mitte von Manchesters belebtester Einkaufsstraße. Seine Ziegelsteinfassade ist schwarz von den Abgasen des Verkehrs, doch innen ist es ein kühler Zufluchtsort von Gewölben, bemaltem Glas und dekorativen Fliesen, die die Gedanken mit zurück in eine Zeit des Mittelalters nehmen, die niemals wirklich existiert hat. Ein Phantasie-Gebäude, doch irgendwie deswegen umso liebenswerter. Sie ketten ihre Bücher dort in den Regalen fest, als ob einzig sie sich bewusst sind, wie gefährlich Wissen sein kann. Und die Bücher selbst sind von jener Art Wälzer, für die Harry Potter töten würde - riesige Manuskripte, exquisit von Hand illustriert, die Pergamentseiten entweder spröde oder leicht schmierig unter den Fingerspitzen und sie lasse sich eher wie Tapeten, denn wie Papier umschlagen.

Nicht der beste Ort für die Erforschung elektromagnetischer Anomalien, aber eine Goldmine für die frühesten Dokumente, die je über Kraftlinien geschrieben wurden.

Genug geschwärmt von der Bibliothek! Um es kurz zu fassen, ich nahm meine Folienkarte der ‚Dreiecke' und legte sie auf das durchscheinende Elfenbein einer antiken Zeichnung von Linien der ‚Erdkräfte', der ‚Drachen-Pfade', die angeblich Qi oder Geisteskräfte auf unergründliche Weise über den Globus bewegen. Nur der imposante Eindruck der Schwermut der Bibliothek hielt mich davon ab, laut zu schreien. Über neunzig Prozent der elektromagnetischen Anomalien traten auf den Linien auf! Über sechzig Prozent traten innerhalb von zwei oder drei Meilen eines Dolmen, eines Steinkreises oder Stehenden Steins auf.

Verdammt!, dachte ich. Einer unserer Leser hat Recht gehabt!

Das einzige Manuskript von Fanshaw's ‚Grammerie of Auncient Puisance' kopiert man nicht einfach auf dem Kopierer und so zückte ich meine Digitalkamera und schoss ein Foto, um es am Computer zu Hause zu vergrößern. Dann ging ich los auf einen feierlichen Kaffee und Kuchen bei ‚Ronnie's' und rief auf dem Weg dorthin den Redakteur an.

„Geoff, du wirst nicht glauben, was ich gefunden habe!"

[Protokoll des Gesprächs ist als Dokument 1 in den Anmerkungen angefügt]

Als Ergebnis dieser Entdeckung fuhr ich zwei Tage später in das kleine Dorf Pen-Golloth an der Küste von Cornwall. Ich war schwer beladen mit einer Messausrüstung und Kameras und brauchte ganz dringend eine Unterkunft und etwas zu essen und zu trinken, um mich aufzuheitern. Ich hatte darüber diskutiert, die Erlaubnis zu bekommen, den Steinkreis in Aix-en-Provence zu untersuchen - der vollständig auf trockenem Land und in einem wunderschönen Weinanbaugebiet lag. Ich hätte meine Arbeit erledigen und gleichzeitig schön braun werden können. Aber Geoff, der Knauserer, hatte darauf bestanden, dass ich nach Pen-Golloth ging, wo der ganze Steinkreis eine halbe Meile abseits der Küste unter Wasser lag, da das Land einst ins Meer gestürzt war. ‚Du kannst ein Boot mieten', sagte er, ungerührt angesichts meiner Proteste.

Hier folgen Auszüge aus meinem damaligen Tagebuch. Obwohl ich technische Geräte liebe, habe ich mich zum Glück nie ganz dazu durchringen können, eines für mein Tagebuch zu benutzen. Dieses war ein ledergebundenes Notizbuch mit handgepresstem Papier (es gibt einen Mann mit einem Verkaufsstand in Oxford, der es herstellt) und daher hat es überlebt.

13. Mai 2001

Nettes kleines ‚Bed- & Breakfast' gefunden. Dame ist sehr redselig und neugierig, daher ausgegangen. ‚Die Gefährten' noch mal gesehen - es ist ein guter Film, aber nichts gegen das Buch. Tolkien scheint einfach mehr… ich weiß nicht, ‚authentischer' zu sein? Besonders hier. Landschaft ist hier sehr keltisch - Hügel und Heide, Grasflächen, kleine Blumen, Wind, der durch verwitterte Steine pfeift. Möwen schreien über einer See aus Zinn. Ließ mich an Belfalas denken oder vielleicht Círdans Hafen nahe dem Auenland, kann mich an den Namen nicht erinnern.

Anruf von Professor Hambly nicht ermutigend. Keine Beweise, sagt er, von der Existenz zufälliger Zentren wie den Dreiecken, wie können sie also mit irgendetwas in Verbindung stehen? Elektromagnetische Abweichungen ‚möglicherweise' durch ungewöhnlich hohe Metallkonzentration im Erdmantel an dieser Stelle hervorgerufen. ‚Haben die das untersucht und Metall gefunden?', frage ich, ‚Nein, aber ich bin sicher, sie werden es', sagt er. ‚Ich bin ohnehin sicher, dass es nichts Übernatürliches daran gibt.' Verdammt typisch! Bringt nichts, noch mal mit ihm zu sprechen.

Typen gefunden, der Boote verleiht, und elektromagnetische Überwachungsgeräte an Bord installiert, so dass sie über Nacht die Messwerte der atmosphärischen Ebenen einlesen können. Fühl mich gleichzeitig elend und aufgeregt und deprimiert. Natürlich werde ich nichts finden, das tue ich ja niemals. Aber was, wenn diesmal wirklich etwas da ist? Was, wenn mir etwas Merkwürdiges zustößt? Zu fast hundert Prozent will ich das.

14. Mai 2001

Nach sehr unruhiger Nacht um 8 Uhr Morgens an Bord gegangen. (Obwohl ‚an Bord' eine zu großartige Bezeichnung für etwas ist, dass im Grunde ein klinkerbeplanktes Ruderboot mit einem Außenbordmotor ist.) Ausrüstung mit Plastikabdeckungen versehen, für den Fall, dass das ‚Dreieck' außergewöhnliche Stürme mit sich bringt, und dem Typen am Liegeplatz gesagt, wann er mich zurück erwarten soll. Unter dem Vorwand zu prüfen, ob meine Uhr nachging, habe ich meine Uhr mit seiner abgeglichen. Bin um 8:15 in nordnordwestlicher Richtung los - der GPS verfolgt das. Ich kenne all die nautischen Ausdrücke nicht, aber es schien sehr langsam. Bin dort, wo der Steinkreis sein soll, um 9:56 angekommen, um eine hübsche Küstenlinie herumgefahren und seitdem sitze ich hier.

10:30

Die Monitore zeigen keine sichtbare Reaktion. Die Sonne ist aufgegangen - herrlich und warm. Und es ist so ruhig. Keine Möwen hier. Die Klippen, eine halbe Meile von hier, sehen viel entfernter aus, und außer einer Autofähre in der blauen Ferne ist es wie eine echte Wildnis. Wenn ich mich hinauslehne, ist das Wasser klar genug, dass ich Haufen von grauen Steinen sehen kann - oder mir einbilde sie zu sehen -, der Abdruck von Steinäxten noch immer sichtbar auf ihnen, die dort halb bedeckt von Sand und Tang liegen. Der Tang ist grün und üppig und der Boden des Ozeans ist von grün-goldenem Licht erleuchtet, da die Sonne scheint. Es scheint keine Fische zu geben.

12:30

Frage mich, wie lange ich warte, dass etwas passiert, bevor ich aufgebe.

12:43

Oh, sieh an, nun ist auch die Autofähre aus meinem Blickfeld verschwunden. Jetzt bin ich allein. Bin sehr müde nach unruhiger Nacht, aber ohrfeige mich selbst, um wach zu bleiben.

13:30

Gelangweilt. Wolkenfetzen in der Ferne. Mein Rücken kribbelt. Er kribbelt wirklich! Die Haare auf meinen Armen stehen ab und wenn ich mich bewege, springen statische Funken im Bogen von meinen Kleidern. Das GPS hat sich einfach selbst ausgestellt... Ah! Und der Kompass dreht sich. Oh heiliger Strohsack! Das ist es! Es passiert wirklich. Es passiert mir! Verdammt! Wo kommt diese ganze Wolke her? Es wird kalt. Es friert! Die Monitore - ich muss die Messwerte überprüfen…

Oh Gott, was geschieht nur? Oh Gott!

Datum: unbekannt, Tag 2

Ich… ich weiß nicht, was ich schreiben soll. Bin ich ‚entführt' worden? Oder ist dies eine Erzählung aus den weniger bekannten, älteren Mythologien? Bin ich in einen Feenkreis geraten, wie Rip van Winkle? Und wenn ich wieder herauskomme, werden dann hundert Jahre in einer Nacht vergangen sein und mich von meiner eigenen Zeit verwaist zurücklassen?

Lustig, wie viel lächerlicher die Hypothese des Elbischen scheint, aber die Fakten soviel besser passen. Es zeigt nur die Macht der Gewohnheit der Gedanken auf.

Nun. Ich bin hier, um zu beobachten, also werde ich das auch tun. Fangen wir dort an, wo der letzte Tagebucheintrag abbrach.

Die Temperatur fiel weiter. Die Feuchtigkeit in meinem Atem war wie ein Schneegestöber - schnelle kleine Schneestürme, da ich panisch keuchte. Der Kompass schlug gegen sein Glas wie ein Vogel, der zu entkommen versuchte. Als ich den GPS wieder eingeschaltet hatte, dann nur, damit er mir sagte, ich sei in China, nein, Sibirien, nein, Neuseeland, Zentralamerika, auf halbem Weg die Anden hinauf. Dicker, unnatürlicher Nebel wallte um mich her - ein dichtes Grau, das von Blitzen funkelte und sich mit geschmeidiger Anmut wie der Rauch aus der Nase eines Drachens auf japanischen Siebdrucken bewegte.

Das Boot schlingerte. Ich schrie. Ich erinnere mich, dass die Zeit sich in die Länge zog und ich wiederum Zeit hatte, darüber nachzudenken, nicht zu schreien - es war so mädchenhaft - und zu beschließen, dass es jetzt nicht an der Zeit war, mir über meine Würde Sorgen zu machen und dass, wenn ich jetzt nicht schreien könnte, wann konnte ich es dann? Also schrie ich.

Ein Übelkeit erregendes Gefühl zu fallen. Mir drehte sich der Magen um. Das Boot muss irgendwo über dem Meer gewesen sein, denn jetzt kam es wieder mit einem gewaltigen dumpfen Dröhnen herunter und klatschte in eine starke Strömung hinein. Wasser schwappte über die Seiten und über die ganze Ausrüstung, während ein Teil von mir wieder schrie und ein anderer Teil - der erstaunlich ruhig war - darum kämpfte, den Außenbordmotor wieder zum Laufen zu bringen.

Ich war erfolgreich, gerade in dem Moment, als die Wolke um mich herum dünner zu werden begann, taubengrau wurde und dann - unnatürlich wie alles, was damit zu tun hatte - zu einem Regenvorhang wurde, der melodisch in den Fluss fiel und sich selbst hinfort goss. Und ich, glotzend, verblüfft und benommen von Adrenalin und Stress fand mich wieder, wie ich in ein steil abfallendes Tal voller Wasserfälle schaute. Die Luft duftete nach Kiefernharz und Wasser, Moos und dem frischen Grün von Wildblumen, die üppig unter einer kühlen Sonne wuchsen.

Es gab kein Meer.

Es gab kein England, kein Cornwall, keine Kreidefelsen oder Leuchttürme, keine Touristenfallen oder Teehäuser, und ich hatte niemals eine so reine Luft geatmet.

In Ordnung, sagte ich zu mir selbst. Vielleicht bin ich von einem außergewöhnlichen Wirbelsturm emporgetrieben und irgendwo anders fallengelassen worden. Irgendwo… weit entfernt. Also drehte ich das Boot und steuerte flussaufwärts.

Ich weiß nicht, ob ihr jemals in einer verlassenen Landschaft gestanden habt - vielleicht nur für eine kurze Weile: der Lärm des Verkehrs verstummt, es gibt eine Pause von wenigen Minuten zwischen den Autos und den Flugzeugen und die Stille strömt zurück. Ihr atmet sie ein und die Gewaltigkeit der Erde erscheint euch wie eine Offenbarung. Es gibt keine Geräusche außer denen der Vögel - unvorstellbar zarte, kleine Dinger - und vielleicht der Wind. Es fühlt sich auf einmal nicht mehr so sicher an, Mensch zu sein.

Nun, dieser Ort war genauso. Das Tuckern des Motors war so, als ob ich in der Kirche fluchen würde.

Stromaufwärts, ein wenig von dem Punkt entfernt, wo ich… gelandet?… war, gab es eine Anlegestelle aus weißen Steinen, wo ich dankbar festmachte. Ich vertäute das Boot und ging dann auf wackligen Beinen einen ruhigen, von Bäumen gesäumten Pfad hinunter, der von hellem Marmor eingefasst und von Ebereschen und den cremefarbenen, kleinen Blüten der Erle überdacht war. Noch immer hatte ich nichts außer Vogelgesang und dem Murmeln des Flusses gegen seine Ufer gehört. Aber ich begann zu spüren, dass ich beobachtet wurde.

Voraus erhob sich ein Fähnchen Rauch über den Bäumen. Krähen kreisten am blauen Himmel und krächzten. Und ich war betroffen von einem jener Momente, in denen man empfindet, dass nun alles perfekt war. Alles war richtig. Dass man selig war, einfach nur lebendig zu sein.

Ich hatte das Gefühl niemals für länger als eine Minute, und das auch seltener als einmal in zehn Jahren. Doch diesmal verschwand es nicht. Ich sah zu den Krähen und roch den erdigen, einladenden Duft des Rauches. Tau von den Bäumen benetzte mein Haar und eine große Last und Dunkelheit, von der ich nicht wusste, dass ich sie mit mir herumgetragen hatte, wurde von mir genommen nur dadurch, dass ich dort war.

Der Pfad schlängelte sich um eine große Esche, deren Äste von Kletterrosen umwunden waren, und öffnete sich auf eine schmale Wiese, über der ein großes Haus aufragte, Terrasse über Terrasse, ernst und erhaben wie ein Oxford College und mit etwas von dessen Aura alten ununterbrochenen Friedens und Denkens.

Ich fühlte mich… merkwürdig, angesichts dieser Überlegung. Ich fühlte mich nicht, wie Sam es ausdrücken würde, als ob ich in eine Geschichte hineingefallen wäre, sondern als ob ich aus einer Geschichte heraus und in die wirkliche Welt geraten wäre.

Als ich die oberste Terrasse erreichte, erwarteten mich drei… drei Leute. Einer saß in einem leichten Stuhl, etwas bequemer zurückgelehnt, die Füße vor sich gekreuzt. Zwei standen hinter ihm, wachsam und gefasst. Alle drei betrachteten mich schweigend, als ich mich atemlos die letzten Stufen hinaufkämpfte.

Bis zu diesem Moment hatte ich es fertig gebracht zu glauben, dass nichts Fremdartigeres als ein außergewöhnlicher Wirbelsturm mir zugestoßen war. Als ich in das Gesicht der sitzenden Person sah, verlor ich diesen Glauben jedoch. Mein Herz setzte aus und sang gleichzeitig und mein Verstand stammelte ‚Du bist verrückt geworden!'. Genau das ist es: du bist gerade im Krankenhaus, vollgepumpt mit Beruhigungsmitteln und hast Herr-der-Ringe-Träume, während sie deinen gebrochenen Schädel richten.'

Aber niemals hatte ich solche Augen wie die seinen gesehen oder mir vorstellen können. Wie kann man in der Sprache von Engeln träumen, wenn es keine Engel gibt?

Ich weiß, dass ich sie offenen Mundes anstarrte und aussah wie ein gestrandeter Fisch. Die beiden Stehenden waren einander so ähnlich, dass sie Zwillinge sein mussten oder - um nichts auszuschließen - vielleicht Klone. Einen Meter neunzig ungefähr und schlank, ohne dünn zu sein, waren sie auf beunruhigende Weise fast menschlich. Ein bisschen zu schön. Ein bisschen zu ruhig, mit einer Präsenz, die wie eine sichtbare Aura um sie her knisterte. Ihr Haar war dunkel und lang und ihre Augen grau; voller Neugier und Heiterkeit.

Der Sitzende erhob sich, um mich zu begrüßen. Er war größer - zwei Meter? zwei Meter zwanzig? - und sah nicht im Entferntesten menschlich aus. Mir fällt nichts ein, das ich gebrauchen könnte, um eine Vorstellung seiner Schönheit zu vermitteln. Ich müsste ins Schwärmen geraten über… die Sonne auf dem Schnee eines hohen Berggipfels, oder das Gefühl, das man hat, wenn man die Sterne betrachtet… und selbst dann, denke ich, würde man es nicht verstehen, wenn man ihn nicht gesehen hat. Seine Farbgebung unterschied sich von dem der anderen, besonders das lange helle Haar, das wie neu geprägtes Silber leuchtete. Aber es gab eine deutliche Familienähnlichkeit zwischen ihnen; eine ausgeprägte Liebenswürdigkeit um das Gesicht herum. Ein falkengleicher Blick.

Ich war genügend Tolkien-begeistert, um sofort zu wissen, wer sie waren - und wo ich war. Aber diese Begeisterung reichte nicht aus, dass ich es auch glaubte.

„Willkommen, Reisende", sagte der Silberhaarige - in Englisch. „Willkommen in Bruchtal."

Ich stand vor den dreien und brachte es nicht fertig, meinen Mund zu bewegen und wusste auch nicht, was ich sagen sollte, selbst wenn ich es geschafft hätte zu sprechen. Schließlich kam eine… Frau… und brachte mich zu einem kleinen Raum. Dort weinte ich um meine geistige Gesundheit und schlief dann ein, zusammengerollt wie ein nasser Lumpen auf einer Decke von weißem, mit Gold besticktem Fell.

Als ich erwachte, schien der Mond in mein Fenster und füllte das ganze Zimmer mit kaltem Licht aus. Ich ließ eine Hand über geschmeidiges Fell gleiten, das schwach hell unter mir schimmerte und dachte bei mir, dass ich nicht sehr aufgeschlossen all dem gegenüber war.

Unter dem Bogen des Fensters befanden sich ein Sitz und darauf ein Tablett mit einer Weinkaraffe und einigen kleinen, runden Kuchen, die nach Ingwer und Honig dufteten. Ich schob es mir aus dem Weg, setzte mich und sah hinaus. Dort unten gab es viele Laternen und weitere von den nicht-menschlichen Leuten dieses Ortes, lachend und tanzend. Mit Sicherheit sangen sie auch. Es juckte mich so sehr, das Fenster zu öffnen und zuzuhören.

Vielleicht war ich verrückt. Aber diese Annahme führte zu gar nichts und nützte niemandem.

Vielleicht war ich nicht verrückt. Wohin würde mich dann dieser Gedanke bringen?

Angenommen, ich war tatsächlich, wie Tam Lin oder Thomas the Rhymer, wie St. Collen oder St. Brendan, wie etliche junge Söhne in den warnenden Erzählungen des Nordens, in das Feenland geraten. Angenommen, das war, was die Kraftlinien markierten - die Punkte, wo Tore zwischen den beiden Welten existierten - und die Unbeständigkeit bedingt, dass die Instrumente unserer menschlichen Technologie falsch funktionieren. Eigentlich ergab das bis zu einem gewissen Grad Sinn. Es passte zu dem Beweis.

Wenn das so war, dann sollte ich mich erinnern, was ich über die Tradition von Feen wusste. Wie war der Reim?

‚Wir dürfen nicht nach Feen seh'n, und auch ihr Obst nicht kaufen,

wer weiß, aus welchem Boden denn der Früchte Wurzeln saufen?'

Oder waren das Kobolde? Zumindest weiß jeder, dass man im Feenland nichts essen darf, oder man muss für immer bleiben. Und man darf ihrer Musik nicht zuhören oder man wäre auf irgendeine undefinierbare Weise für die Menschheit verloren. Gefangen. Verhext. Konnte man diesen Erzählungen glauben, befand ich mich in unmittelbarer Gefahr, meine Seele zu verlieren.

Aber das waren wirkliche Elfen. Die Elfen der Volkskunde, der Seelie Court, die Tuatha da Dannan; die Ylf der Angelsachsen; Helfer ihrer Götter im Exil; groß und schön und nicht vertrauenswürdig. Aber nicht Tolkiens Elben. Weil Tolkiens Elben, auch wenn sie aus dem Volkstümlichen heraus entstanden, ein Werk der Dichtung waren. Ich konnte Celeborn den Weisen und Elladan und Elrohir, die Zwillingssöhne von Elrond nicht wirklich getroffen haben, weil sie nicht existierten. Tolkien hat sie erfunden.

So war ich also doch verrückt. Und wenn ich verrückt war, dann war es gefahrlos zu essen. Gefahrlos zu trinken.

Ich langte gerade nach einem Kuchen, als die… Frau? das Mädchen?, das mich zu meinem Zimmer gebracht hatte, zurückkam. „Wenn Ihr Euch erholt habt, bittet der Fürst Euch mit ihm zu sprechen", sagte sie und ihre Diktion war sehr vorsichtig, als ob sie einen erlernten Satz wiederholte, dessen Bedeutung sie nicht verstand. Sie war so lieblich und so einfach wie ein Gänseblümchen und ihre tiefgründigen schwarzen Augen funkelten vor Vergnügen. Ich mochte sie sofort - sie war eine solche Erleichterung nach der Ehrfurcht und Begeisterung, die ich bei dem Treffen mit den Herren empfunden hatte.

„Ich komme", sagte ich, nahm meine Kamera aus meiner Manteltasche und folgte ihr die gewundenen Gänge hinab und dann hinaus in die Wälder.

Die Musik erreichte mich zuerst - beschwingt, berauschend und meinen Verstand in Träume und Visionen von wunderbaren Dingen hinein ziehend, die ich noch immer nicht ganz begreifen kann. Doch der Mangel an Erfüllung und das Sehnen schienen Teil ihrer Magie zu sein. Über sie zu verfügen, wäre gewöhnlich gewesen. Ah, noch etwas, das ich nicht beschreiben kann, dem ich nicht gerecht werden kann. Noch etwas, das mich in meinen Träumen verfolgen wird, solange ich lebe.

Die Zwillinge tanzten im Licht der Fackeln - fließende Gestalten geschmeidiger Kraft, voller Freude und Wildheit unter einem Himmelsgewölbe erstaunlicher Sterne. Der Fürst saß ein wenig abseits, halb zurückgelehnt auf dem Rasen, mit einem Bündel Papiere unter seiner langen Hand, sein Ausdruck nachdenklich.

Ich kniete neben ihm nieder und wartete, dass er sprach. Noch etwas, worüber die Volkskunde sich ziemlich vehement äußert, ist, gegenüber solchen Wesen höflich zu sein.

„Einen Moment", sagte er und schob den Weinkrug ohne aufzusehen in meine Richtung. Die Dokumente, die er las, sahen für mich eher gedruckt als handgeschrieben aus und das wunderte mich. Wenn die Elben tatsächlich existierten, seit die Welt geschaffen worden war, wäre es verrückt zu denken, dass sie sich nicht ebenso wie wir weiterentwickelt hatten. In der Zeit der Sachsen war ihre Technologie so weit entwickelt, dass es uns magisch erschien. War es jetzt immer noch so? Übertrafen sie uns immer noch? Waren die ‚Außerirdischen', nach denen so viele Kulte zum Zweck der Erleuchtung suchten, überhaupt gar keine Außerirdischen, sondern die Erstgeborenen?

Schließlich sah der Fürst auf und ich senkte die Augen, nicht fähig, dem Blick aus seinen alterslosen und Furcht einflößenden Augen zu ertragen. „Von Zeit zu Zeit", sagte er, „besucht uns ein menschlicher Reisender hier und stolpert unbewusst auf den Pfad zum verborgenen Tal. Aber Ihr scheint uns bewusst aufgespürt zu haben. Mit welcher Absicht?"

Er reichte mir das oberste Blatt des Papierbündels. Es war in Tengwar geschrieben, aber es gab Listen von Angaben, die ich als von meinen Instrumenten herstammend erkannte; Zeichnungen der Skalen. Das ‚Papier' war überhaupt kein Papier, sondern hatte etwas von der Struktur feinen, gestärkten Leinens, obgleich die Oberfläche klar und weiß war. Natürlich, dachte ich reuevoll, man würde keine Elben dabei erwischen, Bäume zu fällen, nur damit sie etwas hätten, worauf sie schreiben könnten. Ich nehme an, es sah aufgrund all der Instrumente, die ich mit mir gebracht hatte, so aus, als ob ich gewusst hätte, was ich tat, als ob ich absichtlich zu diesem Treffen aufgebrochen war.

Ha!

„Ich…", sagte ich mit trockenem Mund und verzweifelt entschlossen, nicht wie ein Groupie zu klingen, das sein Pop-Idol traf. „Wenn ich irgendetwas erwartet habe… Es war nicht dies hier."

Er sah mich freundlich an und indem er den Krug wieder zu sich heranzog, schenkte er mir Wein ein und hielt mir das Glas entgegen. Ich zögerte und einiges von dem Zweifel und der Furcht muss sichtbar gewesen sein. „Es liegt kein Zauber darauf", sagte er. „Jenseits dessen eines guten Weines. Trinkt. Ihr braucht es."

Ich nahm einen Schluck und er schmeckte nach… Oh! Ich hasse es, nicht die Sprache zu besitzen, um diese Dinge zu beschreiben. Es sollte eine Sprache der Freude geben, deren Worte großartig genug sind, um den Geschmack dieses Weines zu umfassen. Wie… Weihnachten? Wärme und Behaglichkeit in einer flüssigen Substanz, die sich von meinem Mund und Magen aus verbreitete, um meinen ganzen Körper zu durchfluten, aber der Geschmack! Wie… es gab nichts, womit er vergleichbar wäre.

„Also", sagte er. „Erzählt mir die ganze Geschichte."

Und das tat ich. Auf jener Lichtung unter dem Mond, mit den Seufzern der Bäume um mich her und der beschleunigenden Anmut elbischer Tänzer, erzählte ich Fürst Celeborn von Lórien von elektromagnetischen Strömungen und dem Bermuda-Dreieck. Über Kraftlinien und außerirdische Entführungen; von Leuten, die für Sekunden verschwanden und zurückkamen, überzeugt davon, Tage an Board fliegender Untertassen zugebracht zu haben. Und von meiner Arbeit und meiner Entdeckung. Es war so bizarr, so unpassend und doch, als ich ihn ansah, konnte ich erkennen, dass ich ihm nichts erzählte, was er nicht schon längst wusste.

„Es passiert häufig, nicht wahr?", sagte ich und die Erkenntnis kam mit all der Unerbittlichkeit des kalten Nachtwindes über mich. „All die volkstümlichen Geschichten… es sind keine Märchen, es sind Augenzeugenberichte. Leute, die wirklich in das Feenland gefallen sind. Und vielleicht kommen die Leute noch immer, aber weil sie ihre Geschichte nicht kennen, ist die einzige Sprache, die sie haben, um es zu beschreiben, jene von ‚Außerirdischen'".

Ein Zweig des Geißblatts wand sich durch das Gras, dort wo sein Ellbogen ruhte. Er nahm es hoch und berührte eine der zerzausten Blüten mit einem Hauch von Zärtlichkeit. „Die Geschichte der Modernen Welt geht nur bis zur Flut zurück", sagte er leise und seine Augen waren irgendwo in die Vergangenheit gerichtet. „Und zu den großen Zeitaltern des Eises, die das, was von Mittelerde übrig war, auslöschten. Doch lange bevor diese Geschichte begann, war unserem Volk gesagt worden, dass wir gehen oder schwinden müssten. Neue Welten gehörten den Menschen, sagten die Valar, und die Zeit unserer Herrschaft war vorüber. Doch aus Stolz oder aus Liebe gab es jene unter uns, die nicht gehen wollten. Lieber, als sich den Valar zu widersetzen oder mit den Menschen um die Herrschaft über die Erde zu streiten, beschlossen wir, uns zu verbergen und zu bleiben. Und obwohl es noch immer ein Kommen und Gehen zwischen Imladris und der modernen Welt gibt - nein, zwischen Nenuial, Eryn Lasgalen, Taur Rhunen und vielen anderen Teilen unserer und Eurer Welt - ist das Reich der Elben schon lange zum Stoff von Legenden und Erzählungen geworden. Und so muss es bleiben."

Ich stand ein wenig unter dem Einfluss des Weines, nicht betrunken, aber glücklich und kühn und als er Erzählungen erwähnte, war das eine zu gute Gelegenheit, um sie verstreichen zu lassen. „Was ist mit Tolkien?", fragte ich. „Das Feenland ist ja schön und gut, aber Imladris? Tolkien hat das erfunden, nicht wahr? Er hat Sie erfunden."

Oh Himmel!, dachte ich, als es schon zu spät war und die Worte heraus waren. Wie war das mit ‚höflich'? Und ich war fast sicher, in einen Kerker geworfen zu werden oder eine entstellende Krankheit zu bekommen, um mir ein paar Manieren beizubringen.

Aber Celeborn lachte nur. „Hat er das gesagt?"

„Nein, er sagte, er würde übersetzen, aus dem… Roten Buch von…" Verstehen bewirkte etwas in mir, bei dem die Welt, die man zu kennen glaubt, zusammenbricht und sich zu etwas völlig anderem wieder zusammenfügt. „Aber jeder dachte, dass es ein literarisches Erzeugnis sei. Meinen Sie…?"

„Er kam vor ungefähr hundert Jahren hierher." Der Elben-Fürst lächelte. „Ein großer Gelehrter, selbst als junger Mann schon. Nur wenige, die eine gewisse Zeit lang hier gewesen waren, sind in die moderne Welt zurückgekehrt, aber John, der lange genug blieb, um Sindarin und Quenya und einige Brocken anderer Sprachen zu lernen und um das Rote Buch und viele unserer Geschichtsbände zu übersetzen, war kein gewöhnlicher Mann. Was die Welt über unsere wahren Namen und unsere alten Taten weiß, das hat sie hauptsächlich ihm zu verdanken." Er runzelte die Stirn und legte die glatt gestrichene Blume mit einer gewissen Achtung nieder und all dieses erstaunliche, sternlichtfarbene Haar fiel nach vorn über sein Gesicht, als er sagte: „Ich nehme an, er ist tot?"

„Ja."

„Eine Schande." Er seufzte. „Navaer, edhellon", sagte er. „Bis die Welt erneut ersteht." Dann schenkte er mir ein Lächeln einer geliehenen Liebenswürdigkeit - die Widerspiegelung einer Wärme, die für jemand anderen bestimmt war. „John brachte mir mein Englisch bei. Er war ein geduldiger Lehrer, selbst mit einem so schwierigen Schüler. Ein guter Mann."

„Er sagte, es gäbe keine Aufzeichnungen darüber, wann Sie schließlich übers Meer gegangen sind", wunderte ich mich, jetzt betrunken, aber von etwas, das Glück sehr ähnlich war. Die letzten Töne des Tanzes hingen noch für einen Moment in der Luft und von den Fackeln stiegen Funken auf, als ob sie ein neues Sternbild streuen wollten. Elladan und Elrohir kamen in heller Freude zurück und warfen sich in einer Haltung schläfriger Aufmerksamkeit auf den Boden um ihren Großvater, wie Tiger. „Und er sagte, dass Sie beide Ihre ‚Wahl verschoben' hätten."

„Wir haben jetzt gewählt", sagte einer von ihnen - ich weiß nicht, welcher - mit einer rauchigen Stimme wie rohe Seide und grinste in dem Wissen, dass ich nicht wagen würde zu fragen, welche Wahl das wäre.

„Wurde alles zu Eurer Zufriedenheit erklärt?", fragte der andere. „Ihr werdet sicher Eure erste Nacht in Imladris nicht ohne zu tanzen verbringen wollen?"

„Ich denke nicht, dass ich…" Ich wollte meine ungehobelte und untaugliche Person nicht inmitten solcher Schönheit zur Schau stellen. Ob sie das missbilligten oder nicht, ich wüsste, dass ich wie die Nilpferd-Ballerina aus ‚Fantasia' aussehen würde - nur weniger begabt. „Aber ich habe so viele Fragen."

„Fragen sind für den Morgen, tanzen für den Mond", sagte der Zwilling. Er stand auf und bot mir seine Hand. Verärgert über ihn und tief beschämt stand ich ebenfalls auf.

„Aber ich wollte etwas über fliegende Untertassen wissen", sagte ich dümmlich. „Wie und wo passen sie dazu?"

„Ihr kennt unsere Abstammung", sagte Elrohir mit einem Blick unbekümmerten Stolzes. „Würde es unserer Familie nicht zur Schande gereichen, wenn wir nicht ebenso Sternensegler wären? Jetzt kommt. Daeradar und Elladan können die Welt regieren, während Ihr und ich sie vergessen."

Woher, dachte ich, woher weiß er, dass ich seinen Namen und seine Abstammung kenne? Ich erinnerte mich an die ‚History of Middle-Earth' - dass Tolkien sagte, Telepathie werde bei ihnen als normal betrachtet. Es gab keine Gewissheit darüber, welche Information oder welche Schwäche die drei im Inneren meines Kopfes gesehen hatten. Aber was konnte ich tun? Nichts. Und anstatt mich zu sorgen, tat ich daher das dritte, vor dem all die Geschichten warnten, es nicht zu tun und tanzte mit den Elben bis Sonnenaufgang. Mit schmerzenden Gliedern und erschöpft fiel ich dann in ein nach Rosenblüten duftendes Bett und erwachte gegen Mittag mit einem völlig neuen Verständnis des Universums und dem brennenden Wunsch, daran teilzuhaben.

Tag 2/Abend, 14. Mai 2001

„Wenn Ihr in die Welt der Menschen zurückkehrt, dürft Ihr nicht hierher zurückkommen", sagte Celeborn. „Dies ist unser Gesetz, mit dem wir dem Verbot der Valar gehorchen und es darf nicht missachtet werden, gleich wie viel Kummer Ihr dadurch erleiden müsst."

„Ich kann mir das nicht vorstellen", sagte ich. „Welcher Kummer könnte schlimmer sein, als die Antwort auf all die Mysterien zu wissen und nicht in der Lage zu sein, es irgendjemandem zu erzählen."

„Vielleicht, die Antwort mit anderen zu teilen versuchen und niemand glaubt sie."

Er stand neben mir auf dem Anleger und ich hätte eine Hand ausstrecken und ihn berühren können - wenn ich mutig genug gewesen wäre. Stattdessen schoss ich ein weiteres Foto, diesmal bei Tageslicht und als ich in mein Boot stieg, schrieb ich eine letzte Zeile in mein Tagebuch, während die Elben mich hinaus in den tosenden, melodischen Strom der Lautwasser schoben. Beschämt davon, wie sehr er mich einschüchterte, hob ich mein Kinn und sah endlich in die Augen des Herrn von Imladris, Prinz von Doriath, älter als die runde Welt selbst. Man wird mir glauben, denn ich hatte Beweise. Dachte ich trotzig.

Er hob eine Augenbraue und lächelte. Ihr seid gewarnt worden.

12. Juni 2001

Ich erinnere mich daran, dass ich in dem Boot saß und an kleinen herabstürzenden Bächen vorbeijagte; Otter folgten meinem Erwachen mit ihren strahlenden Augen voller Interesse; das Aufblitzen eines Eisvogels, ganz lapislazuli-blau und golden wie eine ägyptische Statue. Die Sonne glitzerte in der Gischt und plötzlich dachte ich, ich könnte den Grünwald besuchen. Ich könnte Thranduil sehen! Ich muss nicht nach Hause. Ein gewaltiges Verlangen danach zu bleiben setzte sich in mir fest, aber ich hatte eine Mutter, ich hatte einen Chef, ich hatte eine Geschichte, die nur denjenigen etwas bedeuten würde, die sie zuvor noch nicht gehört hatten. Ich kannte so viele Leute, die sie erfahren mussten. Also biss ich die Zähne zusammen und schloss die Augen, als die Wolke sich einstellte und hielt den Aufschrei „Nein!", der sich so verzweifelt von meinem Mund losreißen wollte, zurück. Ich hatte eine Mission; ich hatte eine Wahrheit zu erzählen.

Natürlich verlor ich meinen Job.

Es war 14 Uhr am 14. Mai, als ich zurückkam und das Boot in einer ruhigen See abseits der Küste von Cornwall aufsetzte. Obwohl es mir schien, dass ich zwei Tage in Bruchtal geblieben war, war ich nach Angaben des Bootsverleihers nur eine knappe halbe Stunde fort gewesen.

Ich hatte noch soviel Verstand, Geoff nicht vom Hafen aus anzurufen und mit der ganzen Geschichte herauszuplatzen. Ich brachte ihm die Aufzeichnungen der Abhörausrüstung

[angefügt als Dok.2 in den Anmerkungen]

und meine Kamera.

Warum es mich hätte überraschen sollen, nichts weiter auf den Fotos zu finden als grauen Nebel, weiß ich nicht. Es ist klassisch, es passiert in allen Fällen außerirdischer Entführung. Es passiert mit dem Ungeheuer von Loch Ness, um Gottes Willen! Ich habe einfach nicht erwartet, dass es mir passieren würde. „Sie waren da!", rief ich. „Ich schwöre es, ich habe sie überprüft, als ich sie geschossen habe."

Geoff seufzte. „Ok", sagte er. „Ich kann an dem elektromagnetischen Zeug erkennen, dass etwas geschah. Warum sagst du mir nicht, was du glaubst, gesehen zu haben?"

Also erzählte ich es ihm.

„Ja, gut", sagte er schließlich, lange nachdem die Stille alles andere gesagt hatte.

„Es ist wahr!" Tränen stiegen mir in die Augen. „Und ich habe es aufgegeben, um es dir zu erzählen. Niemand erwartet, dass die Wahrheit einfach zu akzeptieren ist, nicht wahr? Aber es ist wahr!" Und ich will zurück!

Er faltete seine bleichen, fleckigen Hände vor sich und seufzte erneut. „Du bist eine der Glaubenden geworden. Es gibt einen Platz dafür im Kreis des Brauchtums. Aber nicht in diesem Magazin. Such dir Hilfe."

Also sitze ich jetzt in meinem Garten und die Luft riecht nach Blech und Benzin. Die Häuser erscheinen durchscheinend- wie würde Bilbo es nennen - durchscheinend und gedehnt, als ob alles, was ich berühre und sehe, ein Teil der Geisterwelt ist. Körperlos, unbefriedigend. Nach den Speisen der Elben schmeckt alles, was ich hier esse, nach Staub und ich weine, wenn ich esse. Die Sehnsucht der elbischen Musik ist zum verzehrenden Refrain meines Herzens geworden. Ich muss, ich will zurückgehen. Ich kann an nichts anderes denken.

Tolkien hatte Unrecht gehabt und die alten Geschichten hatten Recht. Die Elben zu besuchen bedeutet, die eigene Menschlichkeit zu verderben, die eigene Seele zu verlieren. Ich bin jetzt eine Süchtige und ich will zurückgehen.

Morgen werde ich eine von jenen Leuten werden, die endlos zum Ort ihrer Entführung zurückkehren, so wie Eisen von einer magnetischen Kraft angezogen wird. Ich werde nach Cornwall gehen und auf den Klippen stehen, während die See endlos unter mir murmelt und die Möwen lamentieren. „Bitte lasst mich zurückkommen!" Ich werde schluchzen, in dem Wissen, dass es hoffnungslos ist, aber es dennoch tun, weil alles andere von Trostlosigkeit aufgezehrt worden ist.

Er hat mich gewarnt. Ich kann nicht sagen, dass er mich nicht gewarnt hat. Es war nicht sein Fehler, dass ich nicht auf ihn gehört habe.


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